Wie viele Personen werden in Deutschland vermisst?

Am 01.03.2020 waren in der Datei „Vermisste/Unbekannte Tote“ („Vermi / Utot“) insgesamt rund 11.500 aktuelle Vermisstenfälle gespeichert, darunter ca. 9.200 Fälle Betroffener in Deutschland. In dieser Zahl sind sowohl Fälle vermisster Personen enthalten, die sich innerhalb weniger Tage aufklären, als auch über viele Jahre/Jahrzehnte Vermisste, deren Aufenthaltsort/Verbleib nicht festgestellt werden konnte.

Täglich werden jeweils etwa 200 bis 300 Fahndungen neu erfasst und auch gelöscht.

Erfahrungsgemäß erledigen sich etwa 50 % der Vermissten-Fälle innerhalb der ersten Woche. Binnen Monatsfrist liegt die „Erledigungs-Quote“ bereits bei über 80%. Der Anteil der Personen, die länger als ein Jahr vermisst werden, bewegt sich bei nur etwa 3 %.

Mehr als zwei Drittel aller Vermissten sind männlich. Etwa die Hälfte aller Vermissten sind Kinder und Jugendliche. Für ihr Verschwinden gibt es die unterschiedlichsten Gründe (Probleme in der Schule oder mit den Eltern, Liebeskummer etc.).

Falls eine Vermisstensache nicht aufgeklärt wird, bleibt die Personenfahndung bis auf Widerruf bestehen.

Die in den nachfolgenden Rubriken aufgeführten Zahlen wurden am 05.03.2020 erhoben.

Zu diesen Zahlen ist Folgendes bzgl. der Datenbasis anzumerken und zu berücksichtigen:

Bis Februar 2018 wurden statistisch nur alle Fälle von Personen registriert, die länger als 24 Stunden vermisst waren. Fälle, die zwischen 00.01 Uhr und 24.00 Uhr ins polizeiliche Fahndungssystem eingestellt wurden und sich am selben Tag wieder erledigten haben, wurden statistisch nicht mitberücksichtigt.

Seit Februar 2018 werden alle Fälle registriert, in denen die Personen länger als vier Stunden vermisst waren.
Diese Umstellung führt zu einem Anstieg der statistisch dargestellten Gesamtvermisstenzahlen. Faktisch muss jedoch davon ausgegangen werden, dass die Zahl der Personen, die in Deutschland als Vermisste zur Fahndung ausgeschrieben werden, als konstant zu werten sind.

Folgendes ist im Zusammenhang mit der Auswertung statistischer Zahlen zu vermissten Personen grundsätzlich zu beachten:
Die Zahlen unterliegen Schwankungen. Sie können täglich variieren, da sich Fahndungen in der Zwischenzeit wieder erledigen, bzw. Fahndungsinhalte aktualisiert werden.
Daher können die aufgeführten Zahlen lediglich als Momentaufnahme dienen. Sie können sich in Abhängigkeit zum Abfragezeitpunkt ändern.

Vermisste Kinder (bis einschließlich 13 Jahre)
Alle Minderjährigen werden als vermisst betrachtet, wenn sie ihren gewohnten Lebenskreis verlassen haben und ihr Aufenthalt (dem Sorgeberechtigten) unbekannt ist. Solange die Ermittlungen nichts anderes ergeben, wird vorsichtshalber von einer Gefahr für das Leben oder die körperliche Unversehrtheit des Betroffenen ausgegangen.

Das Thema „vermisste Kinder“ hat in der deutschen Öffentlichkeit einen hohen Stellenwert. Durch die intensive Berichterstattung der Medien bei aktuellen Einzelfällen wird ein hohes Gefährdungspotenzial für alle Kinder suggeriert.

So entsteht mitunter der Eindruck, dass

  • die Anzahl nicht wieder aufgefundener Kinder bzw. nicht aufgeklärter Fälle dramatisch hoch sei,
  • eine maßgebliche Anzahl vermisster und nicht wieder aufgefundener Kinder Opfer sog. Kinderpornografie-Ringe seien und
  • die Polizei nicht genug unternehme, um dem Einhalt zu gebieten.

Die in den polizeilichen Datenbanken registrierten Zahlen zeigen jedoch ein anderes Bild:

Im Jahr 2015 wurden 6.302 Kinder als vermisst registriert. Bis zum 05.03.2020 wurden 5.911 Fälle aufgeklärt, was einer Aufklärungsquote von nahezu 99% entspricht. Die 391 noch nicht geklärten Fälle beinhalten auch Fälle von Kindesentziehung und Fälle sogenannter unbegleiteter Flüchtlingskinder, die aus ihren Unterbringungseinrichtungen abgängig sind. Ebenfalls enthalten sind auch Fälle von Dauerausreißern/Streunern (Kinder, die wiederholt weglaufen bzw. aus ihrem gewohnten Lebensumfeld verschwinden).

Im Jahresverlauf 2016 galten in Deutschland insgesamt 8.084 Kinder als vermisst, davon wurden 7.781 Fälle aufgeklärt. Dies entspricht einer Aufklärungsquote von rund 96 %.

Von den 8.259 im Jahresverlauf 2017 vermissten Kindern wurden 8.080 (98 %) wieder angetroffen/aufgefunden.

Im Jahr 2018 wurden 12.791 vermisste Kinder in der „Vermi/Utot“ registriert, 12.604 Fälle wurden aufgeklärt. Dies entspricht bereits einer Aufklärungsquote von 98,5 %.

Die 15.395 Fälle der im Jahresverlauf 2019 als vermisst registrierten Kinder konnten zu 97,9 % (15.072 Fälle) geklärt werden.

Am 05.03.2020 waren in Deutschland – gerechnet ab dem frühesten registrierten Vermisstendatum 03.03.1951 bis heute – insgesamt 1.869 ungeklärte Fälle vermisster Kinder in der Datei „Vermi/Utot“ erfasst. Mehr als die Hälfte dieser Kinder sind unbegleitete Flüchtlinge (siehe gesonderte Rubrik), gehören zu den sogenannten Dauerausreißern/Streunern oder wurden ihren Sorgeberechtigten entzogen.

Auslöser für Kindesentziehungen sind Streitigkeiten der Eltern über die Ausübung des Sorgerechts, insbesondere wenn die Eltern aus unterschiedlichen Kulturkreisen stammen. Die der Polizei angezeigten Fälle von Kindesentziehung werden als „Vermisstenfälle“ erfasst, solange eine Gefahr für die Kinder im polizeilichen Sinn nicht ausgeschlossen werden kann. In aller Regel besteht in diesen Fällen jedoch keine Gefahr für die Kinder, da sie sich während ihrer „Abwesenheit“ in der Obhut eines Erwachsenen befinden, zu dem sie eine enge Bindung haben.

Bei dem verbleibenden Teil der vermissten Kinder ist zu befürchten, dass diese Opfer einer Straftat oder eines Unglücksfalls wurden, sich in einer Situation der Hilflosigkeit befinden oder nicht mehr am Leben sind.

Insgesamt ist festzuhalten, dass tagtäglich zwar viele Kinder als vermisst gemeldet werden, jedoch der Anteil der Kinder, deren Verbleib auch nach längerer Zeit nicht geklärt werden kann, sehr gering ist.

Vermisste Jugendliche (14-17 Jahre)
Im Jahr 2015 wurden 41.809 Jugendliche als vermisst registriert. Bis zum 05.03.2020 wurden 41.653 Fälle aufgeklärt, was einer Aufklärungsquote von 99,6 % entspricht.
Für die Folgejahre ergibt sich folgendes Bild:

2016: vermisst insgesamt 52.702, davon wieder aufgefunden 52.554 (Aufklärungsquote 99,7 %)
2017: vermisst insgesamt 53.546, davon wieder aufgefunden 53.326 (Aufklärungsquote 99,6 %)
2018: vermisst insgesamt 76.719, davon wieder aufgefunden 76.322 (Aufklärungsquote 99,5 %)
2019: vermisst insgesamt 77.499, davon wieder aufgefunden 76.424 (Aufklärungsquote 98,6 %)

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (bis einschließlich 17 Jahre)
Das Phänomen unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge (UMF) ist ein Thema, das auch die deutsche Polizei beschäftigt. Dies gilt insbesondere seit Herbst 2015, als eine große Flüchtlingswelle auf Deutschland traf. Insgesamt hat sich die Situation stark beruhigt. Dies spiegeln auch die Fallzahlen der vergangenen Jahre deutlich wider.

Die Zahl der vermisst gemeldeten UMF (Kinder und Jugendliche) lag im Jahr 2015 im hohen vierstelligen Bereich (8.170, davon erledigt 7.760 = 95 %). Für das Jahr 2016 war mit 9.752 in Deutschland vermisst gemeldeten UMF ein Anstieg zu verzeichnen. Bei 9.442 Fällen und somit rund 97 % konnte der Aufenthaltsort in der Zwischenzeit festgestellt und die Fahndung gelöscht werden.

Im Jahr 2017 erfolgte ein deutlicher Rückgang in dieser Vermissten-Kategorie: Insgesamt wurden im Jahresverlauf 6.214 UMF als vermisst registriert. Bisher haben sich 6.004 Fälle wieder erledigt, was einer Aufklärungsquote von 96,6 % entspricht.

Im Jahr 2018 war ein weiterer massiver Rückgang der Vermisstenfälle von UMF feststellbar. Von den insgesamt 3.968 Fällen konnten 3.750 Fälle inzwischen geklärt werden, was einer Aufklärungsquote von rund 94,5 % entspricht.

Die 2.223 Fälle der im Jahresverlauf 2019 als vermisst registrierten UMF konnten bis zum 05.03.2020 zu nahezu 81 % (1.796 Fälle) geklärt werden. Im vergangenen Jahr machte die Zahl der vermissten UMF insgesamt 1,9 % bezogen auf die Gesamtzahl aller vermissten Personen in Deutschland aus.
In dieser Vermissten-Kategorie ist der überwiegende Anteil der Vermissten jugendlich (94,4 %). Die männlichen vermissten UMF dominieren mit einem Anteil von ca. 89 % gegenüber den weiblichen vermissten UMF.
Bei den betroffenen Staatsangehörigkeiten sind in erster Linie die Afghanen, gefolgt von Syrern, Marokkanern, Guineern und Somaliern zu nennen.

Gründe für den Rückgang sind die andauernde Schließung der Balkanroute sowie eine erfolgreiche Umsetzung von Betreuungskonzepten und Integrationsmaßnahmen.

Besonderer Hinweis zu den Vermisstenzahlen unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge:

Aufgrund verschiedener Problematiken, wie beispielsweise der Mehrfacherfassungen bedingt durch unterschiedliche Schreibweisen eines Namens, fehlender Personalpapiere oder eine fehlende erkennungsdienstliche Behandlung, ist eine genaue Erhebung der tatsächlich vermissten UMF nicht möglich. Die angegebenen Zahlen können daher lediglich als Annäherung dienen.

Auch zukünftig wird somit eine zuverlässige Aussage zu diesem Personenkreis aus diesen Gründen nicht möglich sein.

** Quelle: https://www.bka.de/

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